Das Grab des Roy (TT255) datiert
zurück in die 18. Dynastie, in das Ende der Herrschaft
Haremhabs. Das Grab ist sehr klein, aber sehr gut restauriert
worden, wenn auch der rote Wüstenstaub bereits wieder
das untere Register einzunehmen droht. Seine lebhaften
Farben auf hellgrauer Grundierung machen es zu einem besonderen
und einem der schönsten Privatgräber, die in
der Region von Dra Abu el-Naga erhalten sind.
Das Grab ist bekannt seit 1822. Ab dieser Zeit wurde durch
die Hay Mission vom Britischen Museum begonnen das Grab zu
dokumentieren.
Es besteht in seinem oberirdischen Level aus einem einzigen
dekorierten Raum, in dem rechts neben der Tür ein Grabschacht
in die Tiefe und zu dem eigentlichen Begräbnis hinabreicht.
Der dekorierter Raum selber ist von den Dimensionen her nur
sehr klein (4 x 1,85 m). Er wurde in den Fels hineingeschlagen
und beinhaltet an der hinteren, sich am weitesten im Grab
befindlichen Front, eine Nische mit Stele.
Das Grab ist Süd-Ost orientiert. Keine der Wände
ist flach und die Ecken sind eher gerundet. die gesamte Oberfläche
ist grob behauen. Die Malereien sind auf dünner, hellgrauer
Stuckschicht aufgetragen, die ihrerseits die Unregelmäßigkeiten
der Oberfläche für den Farbauftrag reguliert. Gipsmasse
wird ebenfalls verwendet für die Decke und um bestimmte
Spalten in den Wänden zu füllen. Eine Grundfarbe
aus blau-weißer Tünche bildet die Grundierung,
wie es dem Gebrauch des Endes der 18. Dynastie und dem Anfang
der 19. Dynastie entsprach. (Vgl das Grab Ramses I. und des
Pharao Haremhab)
Die Dekoration ist konventionell, aber außergewöhnlich
gut aufgebracht, sie ist das Werk eines Meisters. Die dargestellten
Themen sind die eines westlichen Raumes, aber zwei Ausschnitte
sind für landwirtschaftliche Szenen ausgespart. Man
stellt fest, dass die Dekoration, besonders an einer dieser
Wände, nicht fertig gestellt worden ist, sowohl auf
der Ebene der Texte als auch auf der Figuren. Dies wird uns
jedoch in die Lage versetzen Einblicke in die Werkmethode
zu bekommen, die wir re-analysieren werden.
Die Decke ist in einer Art immens ausgestreckter gewebter Stoffdecke in polychromen
Rechtecken kombiniert mit kleinen Rosetten oder Blumen. Diese imitierten die
Decken, mit denen auch die Dächer der Häuser zum Schatten für
die angenehmere Benutzung überspannt waren, da ja das Grab die Umsetzung
eines profanen Hauses für die Ewigkeit darstellte.
Die Hieroglyphen sind grundsätzlich in schwarzer
Farbe geschrieben, hervorgehobene durch die abweichende
Grundierung mit einer weißen oder maisgelben Grundfarbe,
letzteres besonders im oberen Friesbereich des Grabes,
auf der Südwand und der Nordwand und vor allem in
göttlichem Kontext. Diese maisgelbe Farbe wird später
konventionell die Grundfarbe ramessidischer Beamtengräber.
Die Kolumnen der Hieroglyphen sind durch dicke, vertikale
Striche abgetrennt.
Die Südwand (auf der linken Seite beim Eintreten)
und die Nordwand (auf der rechten) sind asymmetrisch und
weisen eine Dreierregistereinteilung auf der Südwand
und Zweierregistereinteilung auf der Nordwand auf, dort
unterteilt durch eine große schwarze pt-Hieroglyphe (dem
Zeichen für den Himmel).
Roy war königlicher Schreiber und Domänenvorsteher
des Pharao Haremhab und des Gottes Amun. Seine Frau wird
Nebet-tauy genannt, häufig abgekürzt mit Tauy.
Sie trägt den Titel einer Sängerin des Amun,
wie so viele edle Damen aus Theben in dieser Zeit. Es ist
sehr schwierig die Identität einiger weiblicher Charaktere
in dem Grab zu ermitteln und ihre Verbindung zu Roy. Andere
männliche Charaktere werden im Grab namentlich aufgeführt:
Amun-em-opet, Djehuti-mose (=Thut-mose) und Amun-em-ky.
Bestimmte Details lassen vermuten, dass das Grab ( wie
das des Nacht) auf Vorrat angelegt war, in Anlehnung an
ein konventionelles Modell „Standardbauprogramm
für thebanischen Adeligen“ (Maspéro), wobei nur die
Ostwand freigelassen wurde um die dargestellten Personen
zu identifizieren.
So handelt es sich um Diener und Dienerinnen, die die Stelle
von Familienmitgliedern einnehmen (Schwester, Tochter,
Bruder, oder Sohn.) Die sehr wichtige Stelle des Sem-Priesters,
der normaler Weise der ältestes Sohn des Verstorbenen
sein sollte, wird auf der Nordwand von seinem Diener Amun-em-ky
eingenommen. Wir bemerken zudem, dass über gewissen
Personen, wo Platz für die Namen reserviert worden
ist, die Stellen frei bleiben und zwar in Kolumnen, die
normaler Weise komplette Hieroglypheninschriften enthalten
sollten.
Eine Vermutung liegt nahe, dass die Anzahl von Leuten,
die als normal für eine ägyptische Durchschnittsfamilie
angesehen worden ist, auch für Roy und seine Frau
veranschlagt wurde, die keine Kinder hatten und anscheinend
auch nur sehr wenige nahe Verwandte. Die Idee eines im
Voraus produzierten und angelegten No-Name-Beamtengrabes,
was erst sekundär personalisiert worden ist, scheint
also annehmbar zu sein.
Allerdings scheint mir eine Stelle im Grab zu belegen,
dass es möglicher Weise zunächst für einen
anderen Beamten angelegt sein könnte, dessen Namen
und Titel man an einer Stelle der Südwand aus Versehen
nicht korrigiert hat. Dazu näheres später.
Die Südwand ist in drei Register unterteilt, die
auf einer Basis von zwei breiten gelben und roten Bändern
stehen. Die Personen schauen alle in das Grab hinein in
Richtung Westen, um das Grab und dann die Domäne
der Götter des Jenseits zu betreten. Sie begleiten
den Toten auf dem Weg zum Jenseits bis zu seinem Grabeingang.
Unteres register
 |
|
linker Teil des unteren
Registers mit Trauerzug
|
Das erste und untere Register ist der Beerdigungszeremonie
in der Welt der Lebenden gewidmet. Anscheinend kommt die
Beerdigungsgesellschaft vom Ufer her, wo sie angelandet
ist, wobei die Darstellung aus Platzgründen weggefallen
sein könnte.
Auf dem Weg zum Grab zieht man den Katafalk mit dem anthropoiden
Sarg des Verstorbenen auf einem Barkenschlitten; die Träger
des Kastens mit den kanopischen Vasen (wohin die Einbalsamierer
die Eingeweide des Verstorbenen legten) gehen langsam, weil
die Trauernden den Rhythmus für die Schrittfolge durch
ihre Schreie und Gesänge angeben, die auf die der „Freunde“ des
Verstorbenen antworten, die hinter dem Katafalk hergehen:
Es sind Mitglieder des Clans, die ihr Trauern durch den
Gebrauch von Gesten kundtun: Sie halten ihre Hand an die
Stirn und entäußern ihren Schmerz in einem Schrei,
oder halten einen Arm vertikal zum Ohr, mit der Hilfe des
anderen, die Handfläche nach unten zeigend, als ob
dieser Körperteil gebrochen sei. Diese Art der Klage
kann man auch heute noch in Ägypten mit allen seine
Gesten bei Beerdigungen sehen.
Man kommt schließlich im Hof der Kapelle für
das Mundöffnungsritual vor der Östlichen Fassade
der heiligen Westberge an, wobei die rosa-rote Farbe des
Gebirges mit weißen und schwarzen Punkten typisch
für die Darstellung von Wüste und Westgebirge
ist. An das Gebirge angebaut ist eine weiße Pyramide,
die den Überbau zum begehbaren Teil der Grabanlage,
nämlich seiner Grab-Kapelle für den Totenopferdienst,
darstellt. Diese bautechnische Eigenheit hat diesem Grabtyp
den ägyptischen Namen „Pyramidengrab“ eingebracht.
Anfang der Wand
 |
|
Anfang des unteren Registers
|
Dies beginnt mit dem Ende der Beerdigungs-Prozession, die
hinter dem Kasten mit den Kanopen einhergeht. Wir finden dort
vier
Männer
in langen zeremoniellen Kleidern, vielleicht Roys Kollegen
oder Nachbarn und Freunde. Sie alle halten in ihrer Hand einen
Stab, der ihre Funktion als Noble festlegt. Ihre freien Hände
sind zur Trauer vor den Mund gehalten, wie bei einer Geste
des unterdrückten Schluchzens. Vor ihnen wird der kanopische
Schrein von vier Trägern getragen, die durch ihre verminderte
Körpergröße als Diener klassifiziert werden.
Eine Dienerin Roys namens Sachmet-hotep klagt, wohl in Vertretung
der Ehefrau, kniend unter dem Kanopenschrein. Die Kanopen
enthielten die Eingeweide des Verstorbenen aus der Zeit der
Mumifizierung. Sie sind in einem sehr schön bemalten
Holzkasten zu denken mit einem horizontalen und drei vertikalen
weiß-roten Bändern. Auf dem Kasten liegt ein Canide,
offensichtlich wohl Anubis, dessen Aufgabe u.a. auch die Bewachung
von Innereien war.
Über Anubis sind die Hieroglyphen im Verhältnis
zu den übrigen
Inschriften kleiner. Sie wurden von dem Schreiber nachträglich
und erst sekundär hinzugefügt, weil er sich mit
dem notwendigen Platz verrechnet hatte. Die Dienerin Sachmet-hotep
unter dem Kanopenschrein trägt ein Leinenkleid ohne Träger,
barbrüstig, vorne geknotet. Ihr jugendliches Gesicht
ist gut gelungen, trotz der konventionellen, stereotypen Trauergeste.
Vor den Trägern ist eine kurze vertikale Inschrift mit
offensichtlichem Schreibfehler am Ende, die besagt: „Er
ruht in seinem Grab, gerechtfertigt(?)“
(Blick
15).
Dann kommt eine Gruppe von 8 professionellen Klageweibern,
dessen Körperhaltung in der Gruppe sehr variiert wird,
obwohl ihre Gesichter recht stereotyp gezeichnet sind. Vor
ihnen sind zwei Männer, die Trauergesten ausführen.
Der erste trägt ein langes Gewand, der zweite ist in
einen halblangen, bis unter die Knie reichenden, gefältelten
Lendenschurz gekleidet. Sie sind eher Mitglieder der Familie
als Diener, weil ihre Größe und Kleidung einen
gewissen Status anzeigt, der sich von dem der Diener deutlich
abhebt. Direkt davor steht, um einiges kleiner, Roys Frau.
Nebet-tauy. Sie geht hinter der Barke her, die den Schlitten
mit dem Toten befördert.
Das Totenschiff
Auf der Barke steht der hölzerne, anscheinend vergoldete
Katafalk mit der Mumie des Roy. Er ist in horizontalen
Reihen mit doppelten Djed-Pfeilern (Zeichen des Osiris)
und doppelten Tjet-Knoten (Knoten der Isis) alternierend
dekoriert. Diese Knoten werden fast immer mit dem Djed-Pfeiler
kombiniert, zu dem sie praktisch das weibliche Gegenstück
darstellen. Ihre normaler Weise rote Farbe wurde mit dem
Blut der Göttin assoziiert.
Der weiße anthropomorphe Sarkophae (Blick
28bis) wird
durch gelbe Bänder verziert, die bei Königen aus
Gold sind und magische Sprüche für das Jenseits
tragen. Er ruht auf einer Ritualliege, dessen Pfoten die
Form von Löwenpranken haben. Das Kopfteil ist wie bei
allen Ritualliegen leicht erhöht. So befindet sich
der Tote im Zustand der bereits begonnenen Aufrichtung und
Auferstehung. Vor und hinter dem Katafalk sind in Miniaturausgabe
die Göttinnen Isis und Nebthys dargestellt. Sie schützen,
bewachen und betrauern den Verstorbenen, so wie sie es vorher
bei ihrem Bruder Osiris getan haben. Zwei Stabsträuße
flankieren das ganze Ensemble (Details: Blick
1, Blick
2 )
Die Barke ruht wiederum auf einem Schlitten, der von Ochsen
gezogen wird, die uns an die traditionelle Art erinnern,
wie ein Katafalk zu Grab gezogen wird (und an den traditionellen
Transport zu Land in Ägypten). Vor der Barke in der
Stellung des Sem-Priesters, erkennbar durch sein Pantherfell,
schreitet der Diener Thut-mose. Er vollführt zwei
typische Ritualgesten für den Toten und seinen Sargschlitten:
eine Weihrauchräucherung und eine Wasserspende. Vor
ihm steht eine isolierte Gestalt, gekleidet in einen gefältelten
Lendenschurz und in der linken Hand ein Gefäß.
Die Inschrift zu ihm besagt: „Ich reinige den Weg
vor Dir mit gutem Wein.“
Der Treiber der Zugochsen, der ihm vorausgeht, benutzt
seinen Stock um die Ochsen anzutreiben, von denen der rotbraune
zur Durchbrechung der Zweiergruppe den Nacken gebeugt hält (Blick 3).
Das durchbricht die Monotonie des Ganzen. Alleine, vor dem
Ochsentreiber, geht ein als Priester gekleideter Zeremonienmeister,
dessen geschorener Kopf mit einer weißen Trauerbinde
versehen wurde und der etwas größer dargestellt
wird als die beiden Personen hinter ihm. Seine Identität
ist durch die Beischriften nicht geklärt.
Auf derselben Wand vor dem Grab
Als nächstes kommt, was als eine neue Szene betrachtet
werden kann, obwohl eine gewisser innerer Zusammenhang
zum Vorherigen besteht. Sie enthält das Ziel der Zuges:
das Grab im Westgebirge.
 |
|
Anfang der Szene
|
Der Geleitzug formiert sich nun neu vor dem Grab. Die Klageweiber
behalten ihre traditionelle Gestik. Trotzdem wird auch hier
die Monotonie durchbrochen um die einzelnen Frauen besser
voneinander abzuheben. Ihre Gesichter werden abwechselnd
in rosa (gelb ist traditionell die Farbe, die für Frauen
vorbehalten ist) und in braun-rot (der eigentlich traditionellen
Farbe der Männer) wiedergegeben. Die Männer, die
den Klagefrauen vorausgehen, haben ebenfalls dieselbe braun-rote
kräftige Hautfarbe.Man beachte, dass einer der Trauernden
graue Haare hat, ein Zeichen des Alters, bei dem, ganz im
Gegensatz dazu, meist die Gesichtszüge gleichzeitig
sehr jugendlich bleiben. Mit grauen Haaren werden oft die
Eltern der Noblen ausgestattet. (details:
Blick
4, Blick
5, Blick
6, Blick
38).
Alle
sind aufgereiht hinter zwei Männern und der knienden
Ehefrau, deren rituelle Wichtigkeit durch ihre nahe Position
an der Mumie des Verstorbenen hervorgeht: Der Sem-Priester,
der zweihändig Libationen ausführt und eine andere
männliche Person, der Heri-heb –Priester, der,
hier theoretisch anstelle des fehlenden Sohns des Verstorbenen
in der Hand das Setep-Gerät zur Mundöffnung bereit
hält. Er wird damit für dieses Ritual die verschiedenen Öffnungen
des Gesichts und Körpers der Mumie berühren.
Auch bei Ka-Statuen und Bildern wird dieses Ritual ausgeführt
worden sein, um sämtlichen Funktionen magisch zu beleben.
Hier wird das Ritual an der im anthropomorphen Sarg befindlichen
Mumie ausgeführt, die aufrecht vor der Totenopferstele
vor dem Grab steht und von einem Priester mit Schakalmaske
gehalten wird. Er repräsentiert Anubis (Blick
7).
 |
| Alle sind aufgereiht hinter
zwei Männern |
 |
|
Blick 7
|
 |
| Die Stele |
Vor der Mumie kauert klein und zusammengesunken die Witwe
des Verstorbenen mit verzweifelter und sehr traditioneller
Gestik. Wir können nun den Verstorbenen besser betrachten:
die weiße Wicklung wird durch rot-gelbe Bänder
an Ort und Stelle gehalten. Ein breiter Kragen liegt um
den Nacken des Verstorbenen. Er ist mit einem gekrümmten,
langen Götterbart ausgestattet, denn er wird nun zu
Osiris und dadurch selber zu einem Gott. Die aufgemalte
Perücke des Kopfteils ist dunkel blau und erinnert
daran, dass Lapis Lazuli die Farbe der Haare der Götter
ist. Auf dem Kopf trägt die Mumie den Salbkegel. Diese
Kegel werden auf Grabgemälden häufig dargestellt,
sind aber in situ und generell archäologisch bisher
nicht nachweisbar. Nadine Cherpion hat darum vorgeschlagen,
das es sich hierbei um ein bloßes Bild für Perfume
und Ölungen handelt, die in Wirklichkeit geschüttet
wurden. Eine Blaue Lotosblume, das Symbol der solaren Wiedergeburt,
ist durch ein Loch im Salbkegel gesteckt und bedeckt den
Haaransatz.
 |
|
Stele und Lehmziegelpyramide
|
Die
Szene findet auf dem Vorhof des Grabbezirkes statt, wo
eine Stele für den Verstorbenen errichtet worden ist.
Sie ist hinter der Mumie aufgestellt. Der Text und die
Umrisse sind in schwarzer Farbe gemalt. Die Grundierung
der Stele ist weiß, Stücke sind etwa in der
Mitte herausgebrochen. Die Stele richtet sich an Osiris,
der im oberen Drittel thront, vor sich ein Was-Zepter haltend.
Der Gott sitzt auf dem typischen altertümlichen, viereckigen
Sitz, den auch die Hieroglyphe für
den Buchstaben p darstellt, sein Pidestal unter sich ist
ein Maat-Zeichen . Die Stele steht genau vor
dem Eingang der Kapelle, die von einer kleinen Lehmziegelpyramide
bekrönt ist, die durch ein schwarzes Pyramidion abgeschlossen
wird. Dieser Architekturbauteil Pyramide ist dafür
verantwortlich, dass man im Ägyptischen einen solchen
Grabtyp als ein Pyramidengrab bezeichnet. Es lehnt sich
direkt an das Westgebirge, in das der Verstorbene nun hineingelegt
wird. Symmetrisch die Pyramide einrahmend, symbolisieren
die einzelne Udjat-Augen die Vollkommenheit des rekonstruierten
Körpers. Solche Augen in Zweierkomposition in Gräbern
und auf Särgen ermöglichen es aber auch, dem
Toten aus seinem Ort der letzten Ruhe herauszuschauen auf
die Lebenden.
Wir sind nun am Ende der Südwand angekommen. Der
Verstorbene, für den ein „schönes Begräbnis“ mit
allen notwendigen Ritualen ausgeführt wird, setzt
nun seine Reise fort, aber diese Mal durch die Welt der
Götter und ohne die Begleitung der Bewohner der
diesseitigen Welt, im oberen Register, das dieses mal
durch ein dickes
schwarzes Band abgetrennt wird, das zu einer immens verlängerten
Himmelshieroglyphe gehört.
Das mittlere Register
|
|
Das mittlere Register
|
Wir
begeben uns wieder zum Eingang des Grabes zurück und
gehen die Wand ein weiteres Mal entlang.
Das Ehepaar erscheint,
gekleidet in Festbekleidung. Aber hier haben wir plötzlich
nicht mehr Roy und Tauy (Blick 14)
Dieses Mal spricht die Inschrift von einem Vorsteher der
beiden Kornspeicher namens Amen-em-opet und von „seiner
Schwester, seiner Geliebten, der Herrin des Hauses, der Sängerin
des Amun, Mut(tu)y“, die hier ihre Opfer vor den Göttern
vollziehen. Die Frau trägt ein langes, plissiertes,
gefranstes, teils durchsichtiges Kleid, das ihre Konturen
durchscheinen lässt. Ihr Hautfarbe ist um einiges heller
als die ihres Mannes dargestellt. Auf ihren Arme sind zwei
Armbänder aufgemalt. Um ihren Nacken trägt sie
den breiten Usech-Kragen. Auf dem Kopf prangt der obligatorische
Salbkegel, durch den eine Blaue Lotosblüte gesteckt
ist. Sie trägt eine opulent, taillenlange schwarze Löckchenperücke,
dessen einzelne Locken oben durch ein Stirnband in Ordnung
gehalten wird. Ihre rechte Hand ist im Anbetungsgestus erhoben.
In ihrer linken Hand hält sie einen Papyrusstängel
als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit und ein Menat,
dem Attribut der Göttin Hathorund Instrument oder Dienstabzeichen
einer Sängerin des Amun. Die Ehefrau ist das Komplement
des Mannes, seine Vervollständigung und auch Garantin
des Wachstums von neuem Leben im Jenseits, symbolisiert durch
den Papyrusstängel. Da der Verstorbene zu Osiris wird, übernimmt
die Ehefrau generell die Rolle der Isis, der Begleiterin,
Zauberin, Garantin für neues Leben im Tod, da Isis es
ja einst gelungen war postum von ihrem Gatten Osiris den
Horusknaben zu empfangen.
Der Mann, ebenfalls in Fußknöchel langer Festtagskleidung,
trägt keinen Salbkegel auf dem Kopf. Die Inschrift über
ihm hätte dazu keinen Platz gelassen. Auch er trägt
Armbänder aus Faience an den Handgelenken, passend zu
denen seiner Frau.
Vor dem Paar steht ein prall gefüllter Opfertisch mit
Broten, Gemüse, Früchten, dem Kopf eines Stierkalbes,
einem Rippenstück und dem obligatorischen Vorderschenkel
eines Stieres. Unter dem Tisch stehen zwei Tonkrüge
mit Wein auf Krugständern. Um die Gefäße
ist je eine Lotosknospe mit ihrem Stängel gewunden.
Das
Ehepaar bittet auch um Einlass in die Domäne der
Götter, während es sich vor die zwei Götter-Schreine
begibt und die Götter darin anbetet: erst Nefertem und
Maat, dann Re-Harachte-Atum und Hathor. Die Türen zu
den Schreinen sind offen und erinnern an die Schwingtüren
eines Saloons und an ebensolche in ägyptischen Häusern.
Der Türflügel ist
ebenfalls Determinativ in dem ägyptischen
Verb für „öffnen“. In der Mitte des
Türflügels des ersten Schreines ist ein Türriegel
angebracht,
der in die Hieroglyphenschrift als Zeichen für
das stimmhafte „s“ eingegangen ist.
Die Tür ist aus vergoldetem Holz, in Analogie zu den
sonst echten goldenen ca 20 cm großen Götterfiguren
in den Tempeln. Gold bedeutet die Farbe des Fleisches der
Götter.
Oben im ersten Schrein thront Nefertem, auf dem Kopf die
blaue Lotosblüte, die ihn repräsentiert. Die
Blüte des Blauen Lotos öffnet sich am Morgen,
wenn die Sonne aufgeht. Sie ist so zu einem Symbol der
Wiederauferstehung geworden und Nefertem von einem Gott
der Wohlgerüche zu einem Gott der Wiederauferstehung
von den Toten geworden (Blick
14).
Die Göttin Maat, die für
Gerechtigkeit, bzw. Ordnung etc steht, repräsentiert
das weibliche Gegenstück in diesem Götterschrein.
Sie gilt als Tochter des Re und Ehefrau von Horus. Beide
Götter
sitzen wieder auf viereckigen Sitzen, die auf einer geflochtenen
Matte stehen. Auf Tischchen vor ihnen stehen goldene Libationsgefäße,
auf denen Blüten des Blauen Lotos liegen. In ihren
Händen halten die beiden Götter Was-Szepter der
Macht. Ihre Perücken sind wiederum blau und imitieren
Lapis lazuli, aus dem das Haar der Götter gemacht
ist.
Dann
erscheint plötzlich wieder das Ehepaar Roy und
Nebet-tauy. Die Perücke der Frau ist doppelt
gehalten durch ein goldenes Stirnband und weiteres rot-weißes
Band. Sie hält in der Hand das goldene Gegengewicht
des faiencenen Menats und eine Papyruspflanze (Blick
13).
Wieder ist dort ein Opfertisch, noch reicher garniert mit
zusätzlich
noch Gänsen, Gurken Feigen und einem Granatapfel.
Die Blüten um die Weinkrüge unter dem Tisch sind
dieses mal leicht geöffnet. Vor ihnen sitzt nun Re-Harachte-Atum,
der eine so enorme Sonnenscheibe auf dem Kopf trägt,
dass er ein Stück vom Schrein damit überdeckt.
Ein typischer Fall, wo sich der Maler mit dem Platz tüchtig
verschätzt hat. Die Sonnenscheibe Hathors ist dagegen
wesentlich kleiner und von Kuhhörnern flankiert. Auch
hier sind die Türen des Schreins geöffnet.
Das Ehepaar passiert den nächsten Schrein
(Blick 12).
Der Text ist wieder auf einer gelben Basis aufgetragen,
der das Ehepaar oben und rechts umschließt. Die Farbe
gelb spiegelt die göttliche Farbe des Schreins wieder,
vor dem sie ihre Anbetung und Opfer an die Götter ausführen.
Der Text zu den Göttern spricht die Große Neunheit
von Heliopolis an. Leider ist die Szene arg zerstört,
so dass die Namen der Götter, außer Atum oben
und Isis unten, nicht mehr erkennbar sind.
Das Ehepaar passiert als nächstes die Halle der beiden
Maaty, wo das Jenseitsgericht stattfinden wird. Die Szene
ist sehr bekannt aus dem 125. Kapitel des Totenbuches. Es
handelt nicht von der Auferstehung der Seele, denn den Ägyptern
ist unsere Vorstellung einer „unsterbliche Seele“ unbekannt.
Ihre Anthropologie ist wesentlich komplexer, somit auch ihr
Auferstehungsglaube.
 |
|
La pesée du coeur
|
Wenn die Seele gewogen und für wahr/ maat-gerecht befunden
worden ist, der Tote das negative Sündenbekenntnis aufgesagt
hat und sich so von allen irdischen Vergehen freigesprochen
hat, bleibt die Wagschale mit dem Herz des Verstorbenen auf
der einen Seite und die Maat auf der anderen Seite im Gleichgewicht.
Ab dem NR sorgt für diesen positiven Ausgang des Gerichts
Anubis, der den Wiegebalken im Gleichgewicht hält, hier
in dieser Szene kaum erkennbar (Blick 10);
Interessant ist hier, dass anders als in vielen anderen Wiegeszenen,
die Herzen beider Eheleute auf der Wagschale liegen und auf
der anderen Seite dementsprechend auch zwei Maatfiguren zu
sehen sind. Die Szene findet vor Osiris statt, dem obersten
Totenrichter, der Hof hält auf der extremen Westseite
der Wand, passend zu seinem Epitheton „Osiris, Erster
der Westlichen“(Osiris-chenti-amentiu). Der/die Tote
ist nach der Rechtfertigung bei Osiris berechtigt, maa cheru seinem
Namen beizusetzen: „wahr an Stimme“ oder „gerechtfertigt“.
Das Paar verhält sich in der Haltung tiefen Respekts
und wird von Horus in den Raum geführt (Blick 9)
Das Ergebnis der Wiegeszene wird von Thot festgehalten, dem
Patron der Schreiber, und er stellt fest: wie immer ist das
Ergebnis positiv für die Verstorbenen. Die Herzen sind
niemals schwerer oder leichter als die Maat oder häufig
auch nur Feder der Maat.
Natürlich hat der Tote keine Kapital verbrechen begangen
wie etwa schlechte Taten oder zu wenig gute Taten.
Das Ehepaar wird von Horus zu seinem Vater Osiris geleitet (Blick 11).
Horus trägt die Doppelkrone, die seine Königlichkeit
untermalt, die er von den Göttern verliehen bekommen
hat, da das Königtum ihm von den Göttern legitim
nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters zugesprochen worden
ist, obwohl sein Onkel Seth das zu verhindern suchte.
 |
|
Blick 56
|
Osiris (Blick 9)
Der Gott, ruhig und unbewegt wie immer, sitzt in einem typischen
vergoldeten Götter- Schrein, dessen Dach mit Hohlkehle
versehen und von einer Reihe goldener Kobras bekrönt
wird. Die Hautfarbe von Osiris wird mit grün wiedergegeben
zum Zeichen der Regeneration und der Wiederauferstehung,
aber es gibt auch die Theorie, dass die Zusammensetzung der
grünen Farbe von der anderer grüner Farben abweicht
und dies die Leichenfarbe darstellen soll.
Er hält in seiner rechten Hand die beiden Zeichen seines
Amtes: Das Heka-Szepter der Herrschaft und die Nechecha-Geißel
der Hirten. In der anderen Hand hält er ein vergoldetes
Szepter, was nicht mehr auf der Wand erhalten ist.
Vor ihm und von ihm getrennt findet man die vier Söhne
des Horus (Blick 56):Amset
mit einem Menschenkopf, Hapi mit dem Kopf eines Pavians,
Dua-mut-ef mit dem Kopf eines Falken und Kebeh-senu-ef mit
dem Kopf eines Caniden. Die Söhne des Horus sind die
Beschützer der kanopischen Krüge und der Inneren
Organe der Verstorbenen. Sie werden oben auf einer geöffneten
Blüte des Blauen Lotos präsentiert, dem Symbol
für Wiedergeburt und Erneuerung. Die Blüten wird
symmetrisch von auf jeder Seite einer Knospe und einem Lotosblatt
begleitet.
Nun ist das Ziel erreicht. Die Szene überlappt sich
und passt zu der Szene darunter, wo der Tote ins Grab geht
und in die Unterwelt eintritt. Der Verstorbene und seine
Frau, nun beide gerechtfertigt vor Osiris, ist nun in der
Lage das Leben in der Welt des Jenseits zu genießen,
welches sich als Thema auf der Nordwand ausbreiten wird.
Dritte Register: das Fries
|
|
Das Fries
|
Sehr gelungen ausgeführt erstreckt sich das Fries entlang
der Südwand, wo es auch zu Ende ausgeführt worden
ist (Blick 34, Blick 36, Blick 39)
), was nicht der Fall auf der Nordwand ist.
Es enthält eine alternierende Gruppe, die sonst nur
in der 19. Dynastie belegt ist.
- Zwei Kolumnen mit Hieroglyphen, gelb unterlegt (weil wir
uns nun in der reinen göttlichen Sphäre befinden),
die die Titel, Ämter, Funktionen und Namen von Roy
und seiner Frau nennen.
- das Emblem der Hathor, mit einem roten Kronenaufsatz,
wohl hölzernen, die auf einem grünen Korb dargestellt
wird (Blick
16)
- zwei Cheker-Zeichen (rot, blau, grün mit gelben Stricken
umwickelt mit einer gelben und roten Sonnenscheibe
- dem Bild des Anubis, der Wächter des Eingangs des
Horizontes der Schlafenden, als liegender Canide mit einen
goldenen Halsband und rotem Halstuch, hinter sich das Nechecha-Zeichen
des Hirten
(Blick 17, Blick 30).
Diese ist nur in zwei Register aufgeteilt und hat keinen
oberen Abschluss am unteren Rand des Registers. Die Wand
ist teilweise unvollendet geblieben. Auf der Nordwand schauen
alle Personen des Hauptregisters zum Ausgang des Grabes
in Richtung Osten und Sonnenaufgang, während auf der
gegenüberliegenden Südwand alle Personen des
Hauptregisters in das Grab hineingerichtet zum Westen hin
orientiert sind. Auf der Nordwand ist es das Leben als
Versorgte im Jenseits, was als Haupt-Thema dargestellt
wird und ihre Hoffnung auf das „Hinaustreten am Tage“,
was ein Kernpunkt altägyptischen Jenseitsglaubens
war.
Das Hauptregister
 |
| Nord Hauptregister |
Das Register besteht aus drei Opferszenen in Folge, die
gut voneinander durch die Ausrichtung der Personen voneinander
abgetrennt werden. Die Szenen stellen wohl einen aufeinanderfolgenden
Ablauf dar.
Die
erste Szene ist ziemlich zerstört
(Blick
25, Blick 26).
 |
|
Blick 26
|
Es repräsentiert das verstorbene Ehepaar, wovon nur
die Frau noch teilweise erhalten ist. Auf dieser Wand ist
die Auftragrichtung der dünnen Stuckschicht mit blau-grauer
Grundierung noch gut erkennbar. Die Dame trägt eine
noch detailreicher dargestellte Perücke, bei der einige
Strähnen, wohl ihres echten Haares, an der Wangenseite
hervorkringeln und nach unten hin ineinander geflochten
oder gedreht worden sind. Sie sitzt auf einem Stuhl mit
Löwenpranken als Fußdekor. Von Roy selber ist
nur noch der Salbkegel auf dem Kopf erhalten geblieben.
Direkt vor ihnen steht ein großer Opfertisch, über
dem der stellvertretende, fungierende Sem-Priester ein Räucherungs-
und Libationsritual durchführt, während die traditionellen
Formeln dem Ehepaar erlauben, sich davon zu ernähren
und zugleich das Grab betreten und verlassen können
nach ihrem Willen. Der ausführende Sem-Priester ist
wieder der Diener Roys Amun-em-ky. Zur Szene gehören
noch eine klagenden Dienerin, ein Leopardenfell, ein goldener
Weihrauchräucherarm und zwei weiß bemalte Holzkisten,
bei dem an dem oberen ein goldenes Hes-Gefäß angebracht
worden ist.
Die
zweite Szene:
(Blick
24)
Diese zeigt uns Roy mit seiner Frau in identischer Haltung
zur vorhergehenden Szene, aber hinter ihnen haben noch
vier weitere Personen Anteil an dem vollzogenen Opfer:
zwei Männer und zwei Frauen, in zwei kleinere Unterregister
unterteilt.
Die beiden Frauen sitzen auf Hockern ohne Lehnen, aber
auf sehr elaborat gezeichneten roten Kissen mit weißen
Rosetten bestickt.
Die obere Dame wird als Schwester Roys, „Sängerin
des Amun und Oberste des Harims der Mutbuy“ gekennzeichnet,
während im unteren Register die Kolumnen ohne Inschriften
verblieben sind. Anscheinend war die Familie Roys zu klein
für die vielen Kolumnen und dargestellten Menschen.
Die Männer sitzen auf Ebenholzstühlen, als Zeichen
eines höheren sozialen Status. Der obere wird durch
die Inschrift als Roys Bruder, einem königlichen Schreiber,
identifiziert, dessen Name allerdings schwer beschädigt
ist, der aber anscheinend wohl als Totenopferpriester für
Ahmose-Nefertari gedient hat, wie es aus der Kartusche
hervorgeht, der Mutter Amenhotep I., und der Patronin der
thebanischen Nekropole. Er hat einen kahl geschorenen Kopf
und trägt in der Hand einen Leinenstreifen. Der untere
Mann trägt eine mittellange Perücke, der Gegenstand
in seiner Hand ist durch eine Lacuna nicht erkennbar.
Alle strecken ihre Hand in Richtung großer Zwiebelbündel
aus, die oben einen rot-weißen Handgriff zum Transport
haben und die das übergroße Zwiebelbündel
vor dem Eigentümer des Grabes zu wiederholen scheinen.
Roys Bruder und Schwester sollen neben seiner Frau auch
Anteil am Totenopfer haben. Dieses Zwiebelbündel ist
das typische Opfer zum Zeitpunkt des Zwiebelfestes, das
mit Sokar verbunden war (siehe eine komplette Darstellung
des Festes HIER).
Vor ihnen (Blick
23) ) wird in der gleich gestalteten Hauptszene Roy
und seiner Frau das Zwiebelbündel dargebracht, nur
in wesentlich größerem Maßstab, exakt
doppelt so groß dargestellt. Unter dem Zwiebelopfer
befindet sich ein weiteres Gemüseopfer mit Brot und
Fleisch. Der Sem-Priester mit geschorenem Kopf reinigt
und weiht das Opfer durch eine Libation mit Wasser und
Räucherung mit Weihrauch. Darüber angebracht
ist eine Opferformel, die dem Verstorbenen die Macht auf
Erden, im Himmel und in der Nekropole gibt und die dafür
sorgt, dass er die Opferspeisen empfangen kann.
Die
dritte Szene:(Blick 22)
Wieder empfängt das Ehepaar Gaben vom Sem-Priester,
der dieses mal mit Perücke dargestellt wird.
 |
|
Blick 24
|
Direkt hinter Nebet-tauy sitzen nun zwei Frauen. Die Hieroglypheninschrift
rechts davon besagt, dass die obere die Schwester Nebet-Tauys
ist, deren Name leider nicht genannt wird, während
wieder die Kolumnen über der unteren Dame leer geblieben
sind. Die Damen sitzen auf derselben Art Hocker, auf der
auch die Ehefrau Roys sitzt. Wieder dieselbe Darstellung
elaborater, roter, mit Rosetten verzierten Kissen. Die Kleider
der am Opferumlauf teilhabenden Personen sind vom duftenden
Salböl orange-rot getränkt. Die Gesichtzüge
und Perücken sind vorzüglich ausgestaltet und
das Gesicht des Roy erinnert exakt im Stil an die Silhouette
des Sennefer aus TT 99, des Bürgermeisters von Theben
zur Zeit Thutmosis III, mit kleinem Noblenbart. Der Maler
scheint also der selben Schule oder der Familie zu entstammen,
obwohl zwischen diesen Gräbern ca 150 Jahre an Zeit
vergangen sind.
Vor den Frauen stehen dieses mal Opfertische mit etwas anderer
Belegung: sie enthalten Gemüse, Brotscheiben und Fladenbrote.
Auf dem Haupttisch der Szene sind ähnliche Opfergaben.
Wir sehen Roy und seine Frau. Hier können beide ihr
Gesicht einer Blüte des Blauen Lotos zuwenden, die
die Wiedergeburt verspricht.
Über dem Opfertisch hat man ein Loch in der Wand, gewiss
durch eine große Flintknolle entstanden, das vielleicht
zu groß war um noch zugespachtelt werden zu können,
einfach mit in die Grabdekoration einbezogen, indem man
es zu einer Weinlaube ausgestaltet hat, die nun den Opfertisch
krönt. Diese Dekoration erinnert wieder sehr an das
Grab des Sennefer, wo derart ein großer Teil der Decke
ausgestaltet ist. Die Weinrebe gilt als Zeichen der Erneuerung
und der Regeneration im Grabkontext. Man hat aus der Not
eine Tugend gemacht und wieder Praktisches mit religiös
Theologischem verbunden. Der Sem-Priester, dieses mal mit
schwarzer Perücke, vollzieht die Reinigungsriten. Hinter
ihm knien zwei Frauen im Trauergestus. Das Alter dieser
beiden Frauen ist lediglich durch den unterschiedlichen
Zustand der Brüste angedeutet, während ihre Gesichter
beide gleich jugendlich zu sein scheinen
(Blick 21).
Und
hier ist, was die Nordwand ausdrückt: die Segnungen
der Nekropole, herbeigeführt durch die Beerdigungsriten.
Die Verstorbenen können ihre eigenen irdischen Bilder
begrüßen und für immer, immer wieder neu,
die Stadien zur Ewigkeit durchlaufen. Alles resultiert
in einer zyklischen Bewegung, die den Toten von dem einfachen
Stadium eines Sterblichen zu einer vollkommenen Assimilisation
eines Privilegierten und Versorgten in der Nekropole macht,
im Jenseits, indem er/sie sich ewig vergnügen und
verjüngen kann.
Das Fries
(Blick 21, Blick 24)
Anders als an der Südwand ist der Fries hier unvollständig
und unvollendet. Die figürliche Repräsentation
ist ausgeführt worden, aber die gelben Kolumnen, die
für die Hieroglypheninschriften gedacht waren, sind
nicht beschrieben worden. Auf dieselbe Art und Weise ist
das Bild des oben auf der Wand liegenden Anubis nicht mehr
mit dem roten Schlagschatten versehen worden.
Die ganze Darstellung ist um eine Scheintür in Stelenform gruppiert, dem
Ort der Kommunikation zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten.
Diese Wand ist sehr zerstört, es sind lediglich einige wenige Fragmente
um die Nische erhalten, die die Stele enthält.
Die folgenden Beschreibungen der Szenen rekrutieren sich nicht aus dem Erhaltungszustand
der Wand, sondern gehen auf eine Rekonstruktionen M. Bauds und E. Driotons zurück
 |
|
Rekonstruktionen M. Bauds
und E. Driotons
|
 |
| Blick 26bis |
 |
|
Die Westwand |
Die Wand
Die Wand hat eine Aussparung in Form einer Nische, um die
Stele aufzunehmen. Sie wird durch 5 parallele Umrandungen
in weiß, schwarz und rot umrandet, genau wie die Wandrundung
selber, unter der ein Band mit Rechtecken in grün und
weiß angebracht ist.
Sie ist in drei Register aufgeteilt.
Im oberen Register der Wand findet man die königlich-göttliche
Ebene: zwei symmetrisch angelegte Szenen der Anbetung, in
der Mitte voneinander abgegrenzt durch eine symbolische Blume,
die die Lilie und den Papyrus kombiniert. Der Stängel
wird durch ein Anch-Zeichen und Was-Zeichen mit Armen gehalten.
Auf der Linken sind Pharao Haremhab (Blick 26bis) und
seine große
königliche Gemahlin Mut-nedjemet dargestellt, die dem
Gott Osiris ein Opfer an Blauen Lotosblüten darbringen
und ihn durch Rasseln von Sistren zu beschwichtigen suchen.
Hinter ihnen lehnt ein Stabstrauß.
Auf der Rechten findet eine parallele Opferszene vor Anubis
statt, der Papyrusstängel dargebracht bekommt, dieses
Mal durch Amenhotep I. und seine Mutter Ahmose-Nefertari.
So erhalten die Verstorbenen Protektion einerseits durch
das Königshaus, andererseits durch die beiden Patronen
der thebanischen Nekropole.
Im zweiten Register, in symmetrischer Relation zur Scheintür,
bzw. Stele, opfert Roy anscheinend den Göttern des oberen
Registers durch zwei gut gefüllte, unterschiedlich beladene
Opfertische, unter denen je zwei Lattichpflanzen abgebildet
sind, die männlich-sexuelle Konnotation haben. Roy wird
durch eine sehr knapp ausfallende Inschrift auf der linken
Seite determiniert, wo hingegen die Kolumnen auf der rechten
Seite leer bleiben.
Der linke Opfertisch trägt von oben nach unten Früchte,
Gurken, Gemüse und Brot, der rechte einen Stabstrauß,
Gemüse und Brotsorten.
Man erkennt trotzdem den Verstorbenen an seinem kleinen Noblenbart.
Er steht im Anbetungsgestus vor den Opfertischen mit erhobenen
Armen.
Im unteren Register erkennt man auf der rechten Seite noch
die Überreste einer Frau vor einem eben solchen Opfertisch.
Die linke Seite birgt eine stark zerstörte Baumgöttinszene:
Hathor, die Herrin des Westens, kredenzt Roy und seinem Ba-Vogel
eine Wasserspende und reicht auf einem Tablett Brot(?) oder
Früchte(?).
Die Stele
Die oben gerundete Stele (Blick 27))
ist unvollständig. Es fehlt ein gutes Drittel im unteren
Bereich rechts. Sie gibt einen Lobeshymnus an Ra wieder.
Die Grundierung der Stele ist weiß, die Hieroglyphen
müssen einst ausgemalt gewesen sein, aber die Farbe
ist nicht mehr erhalten.
In dem oberen Rundbogen finden wir eine Darstellung der Sonnenbarke,
die den sitzenden Sonnengott trägt, der ein Anch-Zeichen
auf seinen Knien hält. Vor ihm sitzen Paviane im Anbetungsgestus.
Sie begrüßen die gerade aufgehende Sonne. Der
daran anschließende Text beginnt mit der Anbetung an
Ra an jedem Tag, wenn er am Horizont erscheint. Der rechte
Teil der Stele zeigt in dem Teil, der stark zerstört
ist, das Bild des Toten in Anbetung vor einem Opfertisch.
Auf jeder Seite des Eingangs sieht man kurze Szenen aus dem
täglichen Leben abgebildet und die alltäglichen
Aufgaben Roys. Da sie einen Teil der Welt der Lebenden darstellen,
sind sie logischer Weise auf der Ostseite des Grabes angebracht,
dessen Platzangebot aber sehr durch die Tür und die
verminderte Größe des Grabes selber beschränkt
ist.
 |
|
Ostwand
|
Diese Szenen sind sehr interessant, weil, obwohl sie unvollständig
sind, sie die Art und Weise belegen, wie die Dekoration des
Grabes angebracht worden ist. Im Gegensatz dazu, wie man
annehmen könnte, wurde erst die flächige Grundierung
angebracht und Farben für die Bilder aufgetragen und
dann erst die Umrisslinien und Konturen in rot oder schwarz
nachgezogen, ohne dass an diesen Stellen vorher das obligatorische
Quadratnetz, das so qd.wt,, aufgebracht worden wäre.
Lediglich die Unterteilung wurde vorbereitet, hier sogar
in vier Register und die Flächen für die Schrift.
Diesen Befund hat man häufig in Privatgräbern bei
Szenen, die nicht die Nebenszenen des Grabes darstellen,
sondern Kleindarstellungen mit Dienern und Bediensteten sind.
Die Reihenfolge des Farbauftrags ist: grün- roter Ocker-
die Grundierung- grau und braun. Man stelle sich nur einmal
das Talent des Malers vor, seine Malereien so exakt aufzubringen
und zu errechnen.
Im oberen Register sehen wir das verstorbene Ehepaar unter
einem Sonnenschutz sitzen, wie sie den Bericht eines Arbeiters
entgegennehmen, der anscheinend dafür verantwortlich
ist, Bericht zu erstatten. Er präsentiert Roy die Produkte
seiner eigenen Ländereien.
Im Register darunter sind zwei Männern beim Pflügen. Über
ihnen ist ein Baum dargestellt, in dem ihr Wasservorrat zum
Kühlhalten aufgehängt worden ist und vielleicht
auch ihr Essen. Der eine Mann pflügt in die eine Richtung,
der andere in die entgegengesetzte. Sie beginnen gerade,
aneinander vorbeizugehen. Es fällt auf, dass der Maler
die Binnenzeichnung nur des vorderen Ochsen ausgeführt
hat, die der beiden Männer und des hinteren Ochsen jedoch
nicht mehr. Hinter dem linken Mann verstreut ein nackter
kleiner Junge Saatgut.
Im unteren Register (Blick
18), treibt ein Mann Ochsen über das Feld. Hinterher
ihm geht eine Frau zum Säen (?). Weiter hinter ruht
sich ein zweiter Mann im Schatten aus und scheint gerade
seine
Vorräte im Baum zu benutzen.
Im untersten Register hört der Grabinhaber, stark vergrößert
um seinen Status anzuzeigen, einen kleinen Arbeiter zu, der
ihm Auskunft über die Ernte erteilt
(Blick 55).
 |
| Decke |
Die Decke ist komplett dekoriert als Segeltuchbespannung über
dem Dach eines Hauses, auf dem die Familie den kühlenden
Abendwind genießen kann. Das Deckenmuster ist durch
ein gelbes Band in zwei Teile unterteilt. Das Band misst
20-22 cm und ist die Grundlage für eine Hieroglypheninschrift,
die u.a. neben einer Anbetung an Ra auch den Titel und Namen
des Verstorbenen angibt. Die Inschrift verläuft vom
Inneren des Grabes zur Tür. Der Erhaltungszustand des
Deckengemäldes ist bis auf wenige Stellen erstaunlich
gut. Die Hieroglyphen im Band sind blau ausgeführt.
Das Band wird scharf durch seine Bandumrisse in blau, rot
und weiß abgesetzt (Blick 31).
Das Grundmotiv ist geometrisch und besteht aus gelben und
weißen Quadraten, die durch je eine kleine Blume ausgefüllt
werden, die entweder schwarz oder rot gezeichnet wird.
Durch die Unebenheit der Decke des Grabes bedingt, scheint
die aufgemalte Dachbespannung in Bewegung zu sein, was m.
E. vom Maler beabsichtigt worden ist. Wir finden es ähnlich
in vielen anderen Privatgräbern, wie etwa im Grab
des Sennefer TT 99.
Dieses kleine Grab gibt uns eine generelle Vorstellung vom
Stil und Status der religiösen Gedanken am Ende der
18. Dynastie für einen durchschnittlichen Noblen wie
Roy.
Sein Schicksal in der Ewigkeit wird durch die Inschriften
und Bilder herbeibeschworen. Roy war dafür gut ausgestattet
und hatte gut vorgesorgt.
Die Stele, die er in den Hof seines Grabes hatte setzen lassen,
appellierte an die Vorbeigehenden und Verwandten, seinen
Namen nicht in Vergessenheit verfallen zu lassen. Die Vorbeigehenden
sollten seinen Namen aussprechen und die Opferformel für
sein ewiges Bestehen in der Unterwelt rezitieren.
Und jeder von denen, die ihn gekannt hatten, fanden hierin
das Zeichen auf das sie warteten: So lange wie sie den Glauben
an Osiris hatten, so wie Ra am Sonnenlauf teilzunehmen, würde Ägypten
existieren und die Sonne, die alles Leben geschaffen hatte,
würde weiter aufgehen.
Möge das Schicksal Roys so ausfallen, wie er sich es
vorgestellt hat. Sein Name jedenfalls, wird auch heute noch
immer ausgesprochen ....
Text von Thierry
Benderitter
Übersetzung Überarbeitung und Ergänzung von Brigitte Goede
Photographien von Danielle und Jack Kihn und Thierry Benderitter
© Copyright www.osirisnet.net 2003
|
| Bibliographie
|
| -BARGUET
Paul: Le Livre des Morts des anciens Égyptiens,
Cerf, 1967.
-BAUD Marcelle, DRIOTON Étienne: Tombes Thébaines.
Nécropole de Dra Abou-Naga: Le
Tombeau de Roy, MIFAO 57 (remerciements à
Renaud de Spens)
-GRAINDORGE Catherine : Les oignons de Sokar, Revue
d’Égyptologie 43, 1992.
-PORTER Bertha, MOSS Rosalind: Topographical bibliography
of Ancient Egypt hieroglyphic texts, reliefs and
paintings. I The Theban Necropolis. Part one: Private
tombs, Griffith Institute1994. |
|