Das Grab des Roy (TT255) datiert zurück in die 18. Dynastie, in das Ende der Herrschaft Haremhabs. Das Grab ist sehr klein, aber sehr gut restauriert worden, wenn auch der rote Wüstenstaub bereits wieder das untere Register einzunehmen droht. Seine lebhaften Farben auf hellgrauer Grundierung machen es zu einem besonderen und einem der schönsten Privatgräber, die in der Region von Dra Abu el-Naga erhalten sind.

Die ersten Einblicke beim Betreten des Grabes

Plan

Das Grab ist bekannt seit 1822. Ab dieser Zeit wurde durch die Hay Mission vom Britischen Museum begonnen das Grab zu dokumentieren.
Es besteht in seinem oberirdischen Level aus einem einzigen dekorierten Raum, in dem rechts neben der Tür ein Grabschacht in die Tiefe und zu dem eigentlichen Begräbnis hinabreicht. Der dekorierter Raum selber ist von den Dimensionen her nur sehr klein (4 x 1,85 m). Er wurde in den Fels hineingeschlagen und beinhaltet an der hinteren, sich am weitesten im Grab befindlichen Front, eine Nische mit Stele.

Das Grab ist Süd-Ost orientiert. Keine der Wände ist flach und die Ecken sind eher gerundet. die gesamte Oberfläche ist grob behauen. Die Malereien sind auf dünner, hellgrauer Stuckschicht aufgetragen, die ihrerseits die Unregelmäßigkeiten der Oberfläche für den Farbauftrag reguliert. Gipsmasse wird ebenfalls verwendet für die Decke und um bestimmte Spalten in den Wänden zu füllen. Eine Grundfarbe aus blau-weißer Tünche bildet die Grundierung, wie es dem Gebrauch des Endes der 18. Dynastie und dem Anfang der 19. Dynastie entsprach. (Vgl das Grab Ramses I. und des Pharao Haremhab)
Die Dekoration ist konventionell, aber außergewöhnlich gut aufgebracht, sie ist das Werk eines Meisters. Die dargestellten Themen sind die eines westlichen Raumes, aber zwei Ausschnitte sind für landwirtschaftliche Szenen ausgespart. Man stellt fest, dass die Dekoration, besonders an einer dieser Wände, nicht fertig gestellt worden ist, sowohl auf der Ebene der Texte als auch auf der Figuren. Dies wird uns jedoch in die Lage versetzen Einblicke in die Werkmethode zu bekommen, die wir re-analysieren werden.

Die Decke ist in einer Art immens ausgestreckter gewebter Stoffdecke in polychromen Rechtecken kombiniert mit kleinen Rosetten oder Blumen. Diese imitierten die Decken, mit denen auch die Dächer der Häuser zum Schatten für die angenehmere Benutzung überspannt waren, da ja das Grab die Umsetzung eines profanen Hauses für die Ewigkeit darstellte.

Die Hieroglyphen sind grundsätzlich in schwarzer Farbe geschrieben, hervorgehobene durch die abweichende Grundierung mit einer weißen oder maisgelben Grundfarbe, letzteres besonders im oberen Friesbereich des Grabes, auf der Südwand und der Nordwand und vor allem in göttlichem Kontext. Diese maisgelbe Farbe wird später konventionell die Grundfarbe ramessidischer Beamtengräber. Die Kolumnen der Hieroglyphen sind durch dicke, vertikale Striche abgetrennt.

Die Südwand (auf der linken Seite beim Eintreten) und die Nordwand (auf der rechten) sind asymmetrisch und weisen eine Dreierregistereinteilung auf der Südwand und Zweierregistereinteilung auf der Nordwand auf, dort unterteilt durch eine große schwarze pt-Hieroglyphe (dem Zeichen für den Himmel).

DIE MENSCHEN

Roy war königlicher Schreiber und Domänenvorsteher des Pharao Haremhab und des Gottes Amun. Seine Frau wird Nebet-tauy genannt, häufig abgekürzt mit Tauy. Sie trägt den Titel einer Sängerin des Amun, wie so viele edle Damen aus Theben in dieser Zeit. Es ist sehr schwierig die Identität einiger weiblicher Charaktere in dem Grab zu ermitteln und ihre Verbindung zu Roy. Andere männliche Charaktere werden im Grab namentlich aufgeführt: Amun-em-opet, Djehuti-mose (=Thut-mose) und Amun-em-ky.

Bestimmte Details lassen vermuten, dass das Grab ( wie das des Nacht) auf Vorrat angelegt war, in Anlehnung an ein konventionelles Modell „Standardbauprogramm für thebanischen Adeligen“ (Maspéro), wobei nur die Ostwand freigelassen wurde um die dargestellten Personen zu identifizieren.
So handelt es sich um Diener und Dienerinnen, die die Stelle von Familienmitgliedern einnehmen (Schwester, Tochter, Bruder, oder Sohn.) Die sehr wichtige Stelle des Sem-Priesters, der normaler Weise der ältestes Sohn des Verstorbenen sein sollte, wird auf der Nordwand von seinem Diener Amun-em-ky eingenommen. Wir bemerken zudem, dass über gewissen Personen, wo Platz für die Namen reserviert worden ist, die Stellen frei bleiben und zwar in Kolumnen, die normaler Weise komplette Hieroglypheninschriften enthalten sollten.
Eine Vermutung liegt nahe, dass die Anzahl von Leuten, die als normal für eine ägyptische Durchschnittsfamilie angesehen worden ist, auch für Roy und seine Frau veranschlagt wurde, die keine Kinder hatten und anscheinend auch nur sehr wenige nahe Verwandte. Die Idee eines im Voraus produzierten und angelegten No-Name-Beamtengrabes, was erst sekundär personalisiert worden ist, scheint also annehmbar zu sein.
Allerdings scheint mir eine Stelle im Grab zu belegen, dass es möglicher Weise zunächst für einen anderen Beamten angelegt sein könnte, dessen Namen und Titel man an einer Stelle der Südwand aus Versehen nicht korrigiert hat. Dazu näheres später.

DIE SÜDWAND

Die Südwand ist in drei Register unterteilt, die auf einer Basis von zwei breiten gelben und roten Bändern stehen. Die Personen schauen alle in das Grab hinein in Richtung Westen, um das Grab und dann die Domäne der Götter des Jenseits zu betreten. Sie begleiten den Toten auf dem Weg zum Jenseits bis zu seinem Grabeingang.

Unteres register


linker Teil des unteren Registers mit Trauerzug


Das erste und untere Register ist der Beerdigungszeremonie in der Welt der Lebenden gewidmet. Anscheinend kommt die Beerdigungsgesellschaft vom Ufer her, wo sie angelandet ist, wobei die Darstellung aus Platzgründen weggefallen sein könnte.
Auf dem Weg zum Grab zieht man den Katafalk mit dem anthropoiden Sarg des Verstorbenen auf einem Barkenschlitten; die Träger des Kastens mit den kanopischen Vasen (wohin die Einbalsamierer die Eingeweide des Verstorbenen legten) gehen langsam, weil die Trauernden den Rhythmus für die Schrittfolge durch ihre Schreie und Gesänge angeben, die auf die der „Freunde“ des Verstorbenen antworten, die hinter dem Katafalk hergehen: Es sind Mitglieder des Clans, die ihr Trauern durch den Gebrauch von Gesten kundtun: Sie halten ihre Hand an die Stirn und entäußern ihren Schmerz in einem Schrei, oder halten einen Arm vertikal zum Ohr, mit der Hilfe des anderen, die Handfläche nach unten zeigend, als ob dieser Körperteil gebrochen sei. Diese Art der Klage kann man auch heute noch in Ägypten mit allen seine Gesten bei Beerdigungen sehen.
Man kommt schließlich im Hof der Kapelle für das Mundöffnungsritual vor der Östlichen Fassade der heiligen Westberge an, wobei die rosa-rote Farbe des Gebirges mit weißen und schwarzen Punkten typisch für die Darstellung von Wüste und Westgebirge ist. An das Gebirge angebaut ist eine weiße Pyramide, die den Überbau zum begehbaren Teil der Grabanlage, nämlich seiner Grab-Kapelle für den Totenopferdienst, darstellt. Diese bautechnische Eigenheit hat diesem Grabtyp den ägyptischen Namen „Pyramidengrab“ eingebracht.

Anfang der Wand

Anfang des unteren Registers

Dies beginnt mit dem Ende der Beerdigungs-Prozession, die hinter dem Kasten mit den Kanopen einhergeht. Wir finden dort vier Männer in langen zeremoniellen Kleidern, vielleicht Roys Kollegen oder Nachbarn und Freunde. Sie alle halten in ihrer Hand einen Stab, der ihre Funktion als Noble festlegt. Ihre freien Hände sind zur Trauer vor den Mund gehalten, wie bei einer Geste des unterdrückten Schluchzens. Vor ihnen wird der kanopische Schrein von vier Trägern getragen, die durch ihre verminderte Körpergröße als Diener klassifiziert werden. Eine Dienerin Roys namens Sachmet-hotep klagt, wohl in Vertretung der Ehefrau, kniend unter dem Kanopenschrein. Die Kanopen enthielten die Eingeweide des Verstorbenen aus der Zeit der Mumifizierung. Sie sind in einem sehr schön bemalten Holzkasten zu denken mit einem horizontalen und drei vertikalen weiß-roten Bändern. Auf dem Kasten liegt ein Canide, offensichtlich wohl Anubis, dessen Aufgabe u.a. auch die Bewachung von Innereien war.
Über Anubis sind die Hieroglyphen im Verhältnis zu den übrigen Inschriften kleiner. Sie wurden von dem Schreiber nachträglich und erst sekundär hinzugefügt, weil er sich mit dem notwendigen Platz verrechnet hatte. Die Dienerin Sachmet-hotep unter dem Kanopenschrein trägt ein Leinenkleid ohne Träger, barbrüstig, vorne geknotet. Ihr jugendliches Gesicht ist gut gelungen, trotz der konventionellen, stereotypen Trauergeste. Vor den Trägern ist eine kurze vertikale Inschrift mit offensichtlichem Schreibfehler am Ende, die besagt: „Er ruht in seinem Grab, gerechtfertigt(?)“ (Blick 15).

Dann kommt eine Gruppe von 8 professionellen Klageweibern, dessen Körperhaltung in der Gruppe sehr variiert wird, obwohl ihre Gesichter recht stereotyp gezeichnet sind. Vor ihnen sind zwei Männer, die Trauergesten ausführen. Der erste trägt ein langes Gewand, der zweite ist in einen halblangen, bis unter die Knie reichenden, gefältelten Lendenschurz gekleidet. Sie sind eher Mitglieder der Familie als Diener, weil ihre Größe und Kleidung einen gewissen Status anzeigt, der sich von dem der Diener deutlich abhebt. Direkt davor steht, um einiges kleiner, Roys Frau. Nebet-tauy. Sie geht hinter der Barke her, die den Schlitten mit dem Toten befördert.

Das Totenschiff
Auf der Barke steht der hölzerne, anscheinend vergoldete Katafalk mit der Mumie des Roy. Er ist in horizontalen Reihen mit doppelten Djed-Pfeilern (Zeichen des Osiris) und doppelten Tjet-Knoten (Knoten der Isis) alternierend dekoriert. Diese Knoten werden fast immer mit dem Djed-Pfeiler kombiniert, zu dem sie praktisch das weibliche Gegenstück darstellen. Ihre normaler Weise rote Farbe wurde mit dem Blut der Göttin assoziiert.
Der weiße anthropomorphe Sarkophae (Blick 28bis) wird durch gelbe Bänder verziert, die bei Königen aus Gold sind und magische Sprüche für das Jenseits tragen. Er ruht auf einer Ritualliege, dessen Pfoten die Form von Löwenpranken haben. Das Kopfteil ist wie bei allen Ritualliegen leicht erhöht. So befindet sich der Tote im Zustand der bereits begonnenen Aufrichtung und Auferstehung. Vor und hinter dem Katafalk sind in Miniaturausgabe die Göttinnen Isis und Nebthys dargestellt. Sie schützen, bewachen und betrauern den Verstorbenen, so wie sie es vorher bei ihrem Bruder Osiris getan haben. Zwei Stabsträuße flankieren das ganze Ensemble (Details: Blick 1, Blick 2 )

Die Barke ruht wiederum auf einem Schlitten, der von Ochsen gezogen wird, die uns an die traditionelle Art erinnern, wie ein Katafalk zu Grab gezogen wird (und an den traditionellen Transport zu Land in Ägypten). Vor der Barke in der Stellung des Sem-Priesters, erkennbar durch sein Pantherfell, schreitet der Diener Thut-mose. Er vollführt zwei typische Ritualgesten für den Toten und seinen Sargschlitten: eine Weihrauchräucherung und eine Wasserspende. Vor ihm steht eine isolierte Gestalt, gekleidet in einen gefältelten Lendenschurz und in der linken Hand ein Gefäß. Die Inschrift zu ihm besagt: „Ich reinige den Weg vor Dir mit gutem Wein.“
Der Treiber der Zugochsen, der ihm vorausgeht, benutzt seinen Stock um die Ochsen anzutreiben, von denen der rotbraune zur Durchbrechung der Zweiergruppe den Nacken gebeugt hält (Blick 3).
Das durchbricht die Monotonie des Ganzen. Alleine, vor dem Ochsentreiber, geht ein als Priester gekleideter Zeremonienmeister, dessen geschorener Kopf mit einer weißen Trauerbinde versehen wurde und der etwas größer dargestellt wird als die beiden Personen hinter ihm. Seine Identität ist durch die Beischriften nicht geklärt.

Auf derselben Wand vor dem Grab
Als nächstes kommt, was als eine neue Szene betrachtet werden kann, obwohl eine gewisser innerer Zusammenhang zum Vorherigen besteht. Sie enthält das Ziel der Zuges: das Grab im Westgebirge.

Anfang der Szene

Der Geleitzug formiert sich nun neu vor dem Grab. Die Klageweiber behalten ihre traditionelle Gestik. Trotzdem wird auch hier die Monotonie durchbrochen um die einzelnen Frauen besser voneinander abzuheben. Ihre Gesichter werden abwechselnd in rosa (gelb ist traditionell die Farbe, die für Frauen vorbehalten ist) und in braun-rot (der eigentlich traditionellen Farbe der Männer) wiedergegeben. Die Männer, die den Klagefrauen vorausgehen, haben ebenfalls dieselbe braun-rote kräftige Hautfarbe.Man beachte, dass einer der Trauernden graue Haare hat, ein Zeichen des Alters, bei dem, ganz im Gegensatz dazu, meist die Gesichtszüge gleichzeitig sehr jugendlich bleiben. Mit grauen Haaren werden oft die Eltern der Noblen ausgestattet. (details: Blick 4, Blick 5, Blick 6, Blick 38).

Alle sind aufgereiht hinter zwei Männern und der knienden Ehefrau, deren rituelle Wichtigkeit durch ihre nahe Position an der Mumie des Verstorbenen hervorgeht: Der Sem-Priester, der zweihändig Libationen ausführt und eine andere männliche Person, der Heri-heb –Priester, der, hier theoretisch anstelle des fehlenden Sohns des Verstorbenen in der Hand das Setep-Gerät zur Mundöffnung bereit hält. Er wird damit für dieses Ritual die verschiedenen Öffnungen des Gesichts und Körpers der Mumie berühren. Auch bei Ka-Statuen und Bildern wird dieses Ritual ausgeführt worden sein, um sämtlichen Funktionen magisch zu beleben. Hier wird das Ritual an der im anthropomorphen Sarg befindlichen Mumie ausgeführt, die aufrecht vor der Totenopferstele vor dem Grab steht und von einem Priester mit Schakalmaske gehalten wird. Er repräsentiert Anubis (Blick 7).
Alle sind aufgereiht hinter zwei Männern

Blick 7

Die Stele

Vor der Mumie kauert klein und zusammengesunken die Witwe des Verstorbenen mit verzweifelter und sehr traditioneller Gestik. Wir können nun den Verstorbenen besser betrachten: die weiße Wicklung wird durch rot-gelbe Bänder an Ort und Stelle gehalten. Ein breiter Kragen liegt um den Nacken des Verstorbenen. Er ist mit einem gekrümmten, langen Götterbart ausgestattet, denn er wird nun zu Osiris und dadurch selber zu einem Gott. Die aufgemalte Perücke des Kopfteils ist dunkel blau und erinnert daran, dass Lapis Lazuli die Farbe der Haare der Götter ist. Auf dem Kopf trägt die Mumie den Salbkegel. Diese Kegel werden auf Grabgemälden häufig dargestellt, sind aber in situ und generell archäologisch bisher nicht nachweisbar. Nadine Cherpion hat darum vorgeschlagen, das es sich hierbei um ein bloßes Bild für Perfume und Ölungen handelt, die in Wirklichkeit geschüttet wurden. Eine Blaue Lotosblume, das Symbol der solaren Wiedergeburt, ist durch ein Loch im Salbkegel gesteckt und bedeckt den Haaransatz.

Stele und Lehmziegelpyramide

Die Szene findet auf dem Vorhof des Grabbezirkes statt, wo eine Stele für den Verstorbenen errichtet worden ist. Sie ist hinter der Mumie aufgestellt. Der Text und die Umrisse sind in schwarzer Farbe gemalt. Die Grundierung der Stele ist weiß, Stücke sind etwa in der Mitte herausgebrochen. Die Stele richtet sich an Osiris, der im oberen Drittel thront, vor sich ein Was-Zepter haltend. Der Gott sitzt auf dem typischen altertümlichen, viereckigen Sitz, den auch die Hieroglyphe für den Buchstaben p darstellt, sein Pidestal unter sich ist ein Maat-Zeichen . Die Stele steht genau vor dem Eingang der Kapelle, die von einer kleinen Lehmziegelpyramide bekrönt ist, die durch ein schwarzes Pyramidion abgeschlossen wird. Dieser Architekturbauteil Pyramide ist dafür verantwortlich, dass man im Ägyptischen einen solchen Grabtyp als ein Pyramidengrab bezeichnet. Es lehnt sich direkt an das Westgebirge, in das der Verstorbene nun hineingelegt wird. Symmetrisch die Pyramide einrahmend, symbolisieren die einzelne Udjat-Augen die Vollkommenheit des rekonstruierten Körpers. Solche Augen in Zweierkomposition in Gräbern und auf Särgen ermöglichen es aber auch, dem Toten aus seinem Ort der letzten Ruhe herauszuschauen auf die Lebenden.

Wir sind nun am Ende der Südwand angekommen. Der Verstorbene, für den ein „schönes Begräbnis“ mit allen notwendigen Ritualen ausgeführt wird, setzt nun seine Reise fort, aber diese Mal durch die Welt der Götter und ohne die Begleitung der Bewohner der diesseitigen Welt, im oberen Register, das dieses mal durch ein dickes schwarzes Band abgetrennt wird, das zu einer immens verlängerten Himmelshieroglyphe gehört.

Das mittlere Register

Das mittlere Register

Wir begeben uns wieder zum Eingang des Grabes zurück und gehen die Wand ein weiteres Mal entlang.
Das Ehepaar erscheint, gekleidet in Festbekleidung. Aber hier haben wir plötzlich nicht mehr Roy und Tauy (Blick 14)
Dieses Mal spricht die Inschrift von einem Vorsteher der beiden Kornspeicher namens Amen-em-opet und von „seiner Schwester, seiner Geliebten, der Herrin des Hauses, der Sängerin des Amun, Mut(tu)y“, die hier ihre Opfer vor den Göttern vollziehen. Die Frau trägt ein langes, plissiertes, gefranstes, teils durchsichtiges Kleid, das ihre Konturen durchscheinen lässt. Ihr Hautfarbe ist um einiges heller als die ihres Mannes dargestellt. Auf ihren Arme sind zwei Armbänder aufgemalt. Um ihren Nacken trägt sie den breiten Usech-Kragen. Auf dem Kopf prangt der obligatorische Salbkegel, durch den eine Blaue Lotosblüte gesteckt ist. Sie trägt eine opulent, taillenlange schwarze Löckchenperücke, dessen einzelne Locken oben durch ein Stirnband in Ordnung gehalten wird. Ihre rechte Hand ist im Anbetungsgestus erhoben. In ihrer linken Hand hält sie einen Papyrusstängel als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit und ein Menat, dem Attribut der Göttin Hathorund Instrument oder Dienstabzeichen einer Sängerin des Amun. Die Ehefrau ist das Komplement des Mannes, seine Vervollständigung und auch Garantin des Wachstums von neuem Leben im Jenseits, symbolisiert durch den Papyrusstängel. Da der Verstorbene zu Osiris wird, übernimmt die Ehefrau generell die Rolle der Isis, der Begleiterin, Zauberin, Garantin für neues Leben im Tod, da Isis es ja einst gelungen war postum von ihrem Gatten Osiris den Horusknaben zu empfangen.
Der Mann, ebenfalls in Fußknöchel langer Festtagskleidung, trägt keinen Salbkegel auf dem Kopf. Die Inschrift über ihm hätte dazu keinen Platz gelassen. Auch er trägt Armbänder aus Faience an den Handgelenken, passend zu denen seiner Frau.
Vor dem Paar steht ein prall gefüllter Opfertisch mit Broten, Gemüse, Früchten, dem Kopf eines Stierkalbes, einem Rippenstück und dem obligatorischen Vorderschenkel eines Stieres. Unter dem Tisch stehen zwei Tonkrüge mit Wein auf Krugständern. Um die Gefäße ist je eine Lotosknospe mit ihrem Stängel gewunden.

Das Ehepaar bittet auch um Einlass in die Domäne der Götter, während es sich vor die zwei Götter-Schreine begibt und die Götter darin anbetet: erst Nefertem und Maat, dann Re-Harachte-Atum und Hathor. Die Türen zu den Schreinen sind offen und erinnern an die Schwingtüren eines Saloons und an ebensolche in ägyptischen Häusern. Der Türflügel ist ebenfalls Determinativ in dem ägyptischen Verb für „öffnen“. In der Mitte des Türflügels des ersten Schreines ist ein Türriegel angebracht, der in die Hieroglyphenschrift als Zeichen für das stimmhafte „s“ eingegangen ist.
Die Tür ist aus vergoldetem Holz, in Analogie zu den sonst echten goldenen ca 20 cm großen Götterfiguren in den Tempeln. Gold bedeutet die Farbe des Fleisches der Götter.

Oben im ersten Schrein thront Nefertem, auf dem Kopf die blaue Lotosblüte, die ihn repräsentiert. Die Blüte des Blauen Lotos öffnet sich am Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Sie ist so zu einem Symbol der Wiederauferstehung geworden und Nefertem von einem Gott der Wohlgerüche zu einem Gott der Wiederauferstehung von den Toten geworden (Blick 14). Die Göttin Maat, die für Gerechtigkeit, bzw. Ordnung etc steht, repräsentiert das weibliche Gegenstück in diesem Götterschrein. Sie gilt als Tochter des Re und Ehefrau von Horus. Beide Götter sitzen wieder auf viereckigen Sitzen, die auf einer geflochtenen Matte stehen. Auf Tischchen vor ihnen stehen goldene Libationsgefäße, auf denen Blüten des Blauen Lotos liegen. In ihren Händen halten die beiden Götter Was-Szepter der Macht. Ihre Perücken sind wiederum blau und imitieren Lapis lazuli, aus dem das Haar der Götter gemacht ist.

Dann erscheint plötzlich wieder das Ehepaar Roy und Nebet-tauy. Die Perücke der Frau ist doppelt gehalten durch ein goldenes Stirnband und weiteres rot-weißes Band. Sie hält in der Hand das goldene Gegengewicht des faiencenen Menats und eine Papyruspflanze (Blick 13). Wieder ist dort ein Opfertisch, noch reicher garniert mit zusätzlich noch Gänsen, Gurken Feigen und einem Granatapfel. Die Blüten um die Weinkrüge unter dem Tisch sind dieses mal leicht geöffnet. Vor ihnen sitzt nun Re-Harachte-Atum, der eine so enorme Sonnenscheibe auf dem Kopf trägt, dass er ein Stück vom Schrein damit überdeckt. Ein typischer Fall, wo sich der Maler mit dem Platz tüchtig verschätzt hat. Die Sonnenscheibe Hathors ist dagegen wesentlich kleiner und von Kuhhörnern flankiert. Auch hier sind die Türen des Schreins geöffnet.

Das Ehepaar passiert den nächsten Schrein (Blick 12). Der Text ist wieder auf einer gelben Basis aufgetragen, der das Ehepaar oben und rechts umschließt. Die Farbe gelb spiegelt die göttliche Farbe des Schreins wieder, vor dem sie ihre Anbetung und Opfer an die Götter ausführen. Der Text zu den Göttern spricht die Große Neunheit von Heliopolis an. Leider ist die Szene arg zerstört, so dass die Namen der Götter, außer Atum oben und Isis unten, nicht mehr erkennbar sind.

Das Ehepaar passiert als nächstes die Halle der beiden Maaty, wo das Jenseitsgericht stattfinden wird. Die Szene ist sehr bekannt aus dem 125. Kapitel des Totenbuches. Es handelt nicht von der Auferstehung der Seele, denn den Ägyptern ist unsere Vorstellung einer „unsterbliche Seele“ unbekannt. Ihre Anthropologie ist wesentlich komplexer, somit auch ihr Auferstehungsglaube.

La pesée du coeur


Wenn die Seele gewogen und für wahr/ maat-gerecht befunden worden ist, der Tote das negative Sündenbekenntnis aufgesagt hat und sich so von allen irdischen Vergehen freigesprochen hat, bleibt die Wagschale mit dem Herz des Verstorbenen auf der einen Seite und die Maat auf der anderen Seite im Gleichgewicht. Ab dem NR sorgt für diesen positiven Ausgang des Gerichts Anubis, der den Wiegebalken im Gleichgewicht hält, hier in dieser Szene kaum erkennbar (Blick 10); Interessant ist hier, dass anders als in vielen anderen Wiegeszenen, die Herzen beider Eheleute auf der Wagschale liegen und auf der anderen Seite dementsprechend auch zwei Maatfiguren zu sehen sind. Die Szene findet vor Osiris statt, dem obersten Totenrichter, der Hof hält auf der extremen Westseite der Wand, passend zu seinem Epitheton „Osiris, Erster der Westlichen“(Osiris-chenti-amentiu). Der/die Tote ist nach der Rechtfertigung bei Osiris berechtigt, maa cheru seinem Namen beizusetzen: „wahr an Stimme“ oder „gerechtfertigt“. Das Paar verhält sich in der Haltung tiefen Respekts und wird von Horus in den Raum geführt (Blick 9)

Das Ergebnis der Wiegeszene wird von Thot festgehalten, dem Patron der Schreiber, und er stellt fest: wie immer ist das Ergebnis positiv für die Verstorbenen. Die Herzen sind niemals schwerer oder leichter als die Maat oder häufig auch nur Feder der Maat.
Natürlich hat der Tote keine Kapital verbrechen begangen wie etwa schlechte Taten oder zu wenig gute Taten.
Das Ehepaar wird von Horus zu seinem Vater Osiris geleitet (Blick 11). Horus trägt die Doppelkrone, die seine Königlichkeit untermalt, die er von den Göttern verliehen bekommen hat, da das Königtum ihm von den Göttern legitim nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters zugesprochen worden ist, obwohl sein Onkel Seth das zu verhindern suchte.

Blick 56

Osiris (Blick 9)
Der Gott, ruhig und unbewegt wie immer, sitzt in einem typischen vergoldeten Götter- Schrein, dessen Dach mit Hohlkehle versehen und von einer Reihe goldener Kobras bekrönt wird. Die Hautfarbe von Osiris wird mit grün wiedergegeben zum Zeichen der Regeneration und der Wiederauferstehung, aber es gibt auch die Theorie, dass die Zusammensetzung der grünen Farbe von der anderer grüner Farben abweicht und dies die Leichenfarbe darstellen soll.

Er hält in seiner rechten Hand die beiden Zeichen seines Amtes: Das Heka-Szepter der Herrschaft und die Nechecha-Geißel der Hirten. In der anderen Hand hält er ein vergoldetes Szepter, was nicht mehr auf der Wand erhalten ist.
Vor ihm und von ihm getrennt findet man die vier Söhne des Horus (Blick 56):Amset mit einem Menschenkopf, Hapi mit dem Kopf eines Pavians, Dua-mut-ef mit dem Kopf eines Falken und Kebeh-senu-ef mit dem Kopf eines Caniden. Die Söhne des Horus sind die Beschützer der kanopischen Krüge und der Inneren Organe der Verstorbenen. Sie werden oben auf einer geöffneten Blüte des Blauen Lotos präsentiert, dem Symbol für Wiedergeburt und Erneuerung. Die Blüten wird symmetrisch von auf jeder Seite einer Knospe und einem Lotosblatt begleitet.
Nun ist das Ziel erreicht. Die Szene überlappt sich und passt zu der Szene darunter, wo der Tote ins Grab geht und in die Unterwelt eintritt. Der Verstorbene und seine Frau, nun beide gerechtfertigt vor Osiris, ist nun in der Lage das Leben in der Welt des Jenseits zu genießen, welches sich als Thema auf der Nordwand ausbreiten wird.

Dritte Register: das Fries


Das Fries


Sehr gelungen ausgeführt erstreckt sich das Fries entlang der Südwand, wo es auch zu Ende ausgeführt worden ist (Blick 34, Blick 36, Blick 39) ), was nicht der Fall auf der Nordwand ist.
Es enthält eine alternierende Gruppe, die sonst nur in der 19. Dynastie belegt ist.
- Zwei Kolumnen mit Hieroglyphen, gelb unterlegt (weil wir uns nun in der reinen göttlichen Sphäre befinden), die die Titel, Ämter, Funktionen und Namen von Roy und seiner Frau nennen.
- das Emblem der Hathor, mit einem roten Kronenaufsatz, wohl hölzernen, die auf einem grünen Korb dargestellt wird (Blick 16)
- zwei Cheker-Zeichen (rot, blau, grün mit gelben Stricken umwickelt mit einer gelben und roten Sonnenscheibe
- dem Bild des Anubis, der Wächter des Eingangs des Horizontes der Schlafenden, als liegender Canide mit einen goldenen Halsband und rotem Halstuch, hinter sich das Nechecha-Zeichen des Hirten (Blick 17, Blick 30).

DIE NORDWAND

Diese ist nur in zwei Register aufgeteilt und hat keinen oberen Abschluss am unteren Rand des Registers. Die Wand ist teilweise unvollendet geblieben. Auf der Nordwand schauen alle Personen des Hauptregisters zum Ausgang des Grabes in Richtung Osten und Sonnenaufgang, während auf der gegenüberliegenden Südwand alle Personen des Hauptregisters in das Grab hineingerichtet zum Westen hin orientiert sind. Auf der Nordwand ist es das Leben als Versorgte im Jenseits, was als Haupt-Thema dargestellt wird und ihre Hoffnung auf das „Hinaustreten am Tage“, was ein Kernpunkt altägyptischen Jenseitsglaubens war.

Das Hauptregister

Nord Hauptregister

Das Register besteht aus drei Opferszenen in Folge, die gut voneinander durch die Ausrichtung der Personen voneinander abgetrennt werden. Die Szenen stellen wohl einen aufeinanderfolgenden Ablauf dar.

Die erste Szene ist ziemlich zerstört (Blick 25, Blick 26).

Blick 26

Es repräsentiert das verstorbene Ehepaar, wovon nur die Frau noch teilweise erhalten ist. Auf dieser Wand ist die Auftragrichtung der dünnen Stuckschicht mit blau-grauer Grundierung noch gut erkennbar. Die Dame trägt eine noch detailreicher dargestellte Perücke, bei der einige Strähnen, wohl ihres echten Haares, an der Wangenseite hervorkringeln und nach unten hin ineinander geflochten oder gedreht worden sind. Sie sitzt auf einem Stuhl mit Löwenpranken als Fußdekor. Von Roy selber ist nur noch der Salbkegel auf dem Kopf erhalten geblieben.
Direkt vor ihnen steht ein großer Opfertisch, über dem der stellvertretende, fungierende Sem-Priester ein Räucherungs- und Libationsritual durchführt, während die traditionellen Formeln dem Ehepaar erlauben, sich davon zu ernähren und zugleich das Grab betreten und verlassen können nach ihrem Willen. Der ausführende Sem-Priester ist wieder der Diener Roys Amun-em-ky. Zur Szene gehören noch eine klagenden Dienerin, ein Leopardenfell, ein goldener Weihrauchräucherarm und zwei weiß bemalte Holzkisten, bei dem an dem oberen ein goldenes Hes-Gefäß angebracht worden ist.

Die zweite Szene: (Blick 24)
Diese zeigt uns Roy mit seiner Frau in identischer Haltung zur vorhergehenden Szene, aber hinter ihnen haben noch vier weitere Personen Anteil an dem vollzogenen Opfer: zwei Männer und zwei Frauen, in zwei kleinere Unterregister unterteilt.
Die beiden Frauen sitzen auf Hockern ohne Lehnen, aber auf sehr elaborat gezeichneten roten Kissen mit weißen Rosetten bestickt.
Die obere Dame wird als Schwester Roys, „Sängerin des Amun und Oberste des Harims der Mutbuy“ gekennzeichnet, während im unteren Register die Kolumnen ohne Inschriften verblieben sind. Anscheinend war die Familie Roys zu klein für die vielen Kolumnen und dargestellten Menschen. Die Männer sitzen auf Ebenholzstühlen, als Zeichen eines höheren sozialen Status. Der obere wird durch die Inschrift als Roys Bruder, einem königlichen Schreiber, identifiziert, dessen Name allerdings schwer beschädigt ist, der aber anscheinend wohl als Totenopferpriester für Ahmose-Nefertari gedient hat, wie es aus der Kartusche hervorgeht, der Mutter Amenhotep I., und der Patronin der thebanischen Nekropole. Er hat einen kahl geschorenen Kopf und trägt in der Hand einen Leinenstreifen. Der untere Mann trägt eine mittellange Perücke, der Gegenstand in seiner Hand ist durch eine Lacuna nicht erkennbar.
Alle strecken ihre Hand in Richtung großer Zwiebelbündel aus, die oben einen rot-weißen Handgriff zum Transport haben und die das übergroße Zwiebelbündel vor dem Eigentümer des Grabes zu wiederholen scheinen. Roys Bruder und Schwester sollen neben seiner Frau auch Anteil am Totenopfer haben. Dieses Zwiebelbündel ist das typische Opfer zum Zeitpunkt des Zwiebelfestes, das mit Sokar verbunden war (siehe eine komplette Darstellung des Festes HIER).
Vor ihnen (Blick 23) ) wird in der gleich gestalteten Hauptszene Roy und seiner Frau das Zwiebelbündel dargebracht, nur in wesentlich größerem Maßstab, exakt doppelt so groß dargestellt. Unter dem Zwiebelopfer befindet sich ein weiteres Gemüseopfer mit Brot und Fleisch. Der Sem-Priester mit geschorenem Kopf reinigt und weiht das Opfer durch eine Libation mit Wasser und Räucherung mit Weihrauch. Darüber angebracht ist eine Opferformel, die dem Verstorbenen die Macht auf Erden, im Himmel und in der Nekropole gibt und die dafür sorgt, dass er die Opferspeisen empfangen kann.

Die dritte Szene:(Blick 22)
Wieder empfängt das Ehepaar Gaben vom Sem-Priester, der dieses mal mit Perücke dargestellt wird.

Blick 24

Direkt hinter Nebet-tauy sitzen nun zwei Frauen. Die Hieroglypheninschrift rechts davon besagt, dass die obere die Schwester Nebet-Tauys ist, deren Name leider nicht genannt wird, während wieder die Kolumnen über der unteren Dame leer geblieben sind. Die Damen sitzen auf derselben Art Hocker, auf der auch die Ehefrau Roys sitzt. Wieder dieselbe Darstellung elaborater, roter, mit Rosetten verzierten Kissen. Die Kleider der am Opferumlauf teilhabenden Personen sind vom duftenden Salböl orange-rot getränkt. Die Gesichtzüge und Perücken sind vorzüglich ausgestaltet und das Gesicht des Roy erinnert exakt im Stil an die Silhouette des Sennefer aus TT 99, des Bürgermeisters von Theben zur Zeit Thutmosis III, mit kleinem Noblenbart. Der Maler scheint also der selben Schule oder der Familie zu entstammen, obwohl zwischen diesen Gräbern ca 150 Jahre an Zeit vergangen sind.
Vor den Frauen stehen dieses mal Opfertische mit etwas anderer Belegung: sie enthalten Gemüse, Brotscheiben und Fladenbrote.
Auf dem Haupttisch der Szene sind ähnliche Opfergaben. Wir sehen Roy und seine Frau. Hier können beide ihr Gesicht einer Blüte des Blauen Lotos zuwenden, die die Wiedergeburt verspricht.
Über dem Opfertisch hat man ein Loch in der Wand, gewiss durch eine große Flintknolle entstanden, das vielleicht zu groß war um noch zugespachtelt werden zu können, einfach mit in die Grabdekoration einbezogen, indem man es zu einer Weinlaube ausgestaltet hat, die nun den Opfertisch krönt. Diese Dekoration erinnert wieder sehr an das Grab des Sennefer, wo derart ein großer Teil der Decke ausgestaltet ist. Die Weinrebe gilt als Zeichen der Erneuerung und der Regeneration im Grabkontext. Man hat aus der Not eine Tugend gemacht und wieder Praktisches mit religiös Theologischem verbunden. Der Sem-Priester, dieses mal mit schwarzer Perücke, vollzieht die Reinigungsriten. Hinter ihm knien zwei Frauen im Trauergestus. Das Alter dieser beiden Frauen ist lediglich durch den unterschiedlichen Zustand der Brüste angedeutet, während ihre Gesichter beide gleich jugendlich zu sein scheinen (Blick 21).

Und hier ist, was die Nordwand ausdrückt: die Segnungen der Nekropole, herbeigeführt durch die Beerdigungsriten. Die Verstorbenen können ihre eigenen irdischen Bilder begrüßen und für immer, immer wieder neu, die Stadien zur Ewigkeit durchlaufen. Alles resultiert in einer zyklischen Bewegung, die den Toten von dem einfachen Stadium eines Sterblichen zu einer vollkommenen Assimilisation eines Privilegierten und Versorgten in der Nekropole macht, im Jenseits, indem er/sie sich ewig vergnügen und verjüngen kann.

Das Fries
(Blick 21, Blick 24)
Anders als an der Südwand ist der Fries hier unvollständig und unvollendet. Die figürliche Repräsentation ist ausgeführt worden, aber die gelben Kolumnen, die für die Hieroglypheninschriften gedacht waren, sind nicht beschrieben worden. Auf dieselbe Art und Weise ist das Bild des oben auf der Wand liegenden Anubis nicht mehr mit dem roten Schlagschatten versehen worden.

DIE WESTWAND

Die ganze Darstellung ist um eine Scheintür in Stelenform gruppiert, dem Ort der Kommunikation zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Diese Wand ist sehr zerstört, es sind lediglich einige wenige Fragmente um die Nische erhalten, die die Stele enthält.
Die folgenden Beschreibungen der Szenen rekrutieren sich nicht aus dem Erhaltungszustand der Wand, sondern gehen auf eine Rekonstruktionen M. Bauds und E. Driotons zurück

Rekonstruktionen M. Bauds
und E. Driotons

Blick 26bis

Die Westwand

Die Wand
Die Wand hat eine Aussparung in Form einer Nische, um die Stele aufzunehmen. Sie wird durch 5 parallele Umrandungen in weiß, schwarz und rot umrandet, genau wie die Wandrundung selber, unter der ein Band mit Rechtecken in grün und weiß angebracht ist.
Sie ist in drei Register aufgeteilt.
Im oberen Register der Wand findet man die königlich-göttliche Ebene: zwei symmetrisch angelegte Szenen der Anbetung, in der Mitte voneinander abgegrenzt durch eine symbolische Blume, die die Lilie und den Papyrus kombiniert. Der Stängel wird durch ein Anch-Zeichen und Was-Zeichen mit Armen gehalten. Auf der Linken sind Pharao Haremhab (Blick 26bis) und seine große königliche Gemahlin Mut-nedjemet dargestellt, die dem Gott Osiris ein Opfer an Blauen Lotosblüten darbringen und ihn durch Rasseln von Sistren zu beschwichtigen suchen. Hinter ihnen lehnt ein Stabstrauß.
Auf der Rechten findet eine parallele Opferszene vor Anubis statt, der Papyrusstängel dargebracht bekommt, dieses Mal durch Amenhotep I. und seine Mutter Ahmose-Nefertari. So erhalten die Verstorbenen Protektion einerseits durch das Königshaus, andererseits durch die beiden Patronen der thebanischen Nekropole.
Im zweiten Register, in symmetrischer Relation zur Scheintür, bzw. Stele, opfert Roy anscheinend den Göttern des oberen Registers durch zwei gut gefüllte, unterschiedlich beladene Opfertische, unter denen je zwei Lattichpflanzen abgebildet sind, die männlich-sexuelle Konnotation haben. Roy wird durch eine sehr knapp ausfallende Inschrift auf der linken Seite determiniert, wo hingegen die Kolumnen auf der rechten Seite leer bleiben.
Der linke Opfertisch trägt von oben nach unten Früchte, Gurken, Gemüse und Brot, der rechte einen Stabstrauß, Gemüse und Brotsorten.
Man erkennt trotzdem den Verstorbenen an seinem kleinen Noblenbart. Er steht im Anbetungsgestus vor den Opfertischen mit erhobenen Armen.
Im unteren Register erkennt man auf der rechten Seite noch die Überreste einer Frau vor einem eben solchen Opfertisch. Die linke Seite birgt eine stark zerstörte Baumgöttinszene: Hathor, die Herrin des Westens, kredenzt Roy und seinem Ba-Vogel eine Wasserspende und reicht auf einem Tablett Brot(?) oder Früchte(?).

Die Stele
Die oben gerundete Stele (Blick 27)) ist unvollständig. Es fehlt ein gutes Drittel im unteren Bereich rechts. Sie gibt einen Lobeshymnus an Ra wieder. Die Grundierung der Stele ist weiß, die Hieroglyphen müssen einst ausgemalt gewesen sein, aber die Farbe ist nicht mehr erhalten.
In dem oberen Rundbogen finden wir eine Darstellung der Sonnenbarke, die den sitzenden Sonnengott trägt, der ein Anch-Zeichen auf seinen Knien hält. Vor ihm sitzen Paviane im Anbetungsgestus. Sie begrüßen die gerade aufgehende Sonne. Der daran anschließende Text beginnt mit der Anbetung an Ra an jedem Tag, wenn er am Horizont erscheint. Der rechte Teil der Stele zeigt in dem Teil, der stark zerstört ist, das Bild des Toten in Anbetung vor einem Opfertisch.

OSTWAND

Auf jeder Seite des Eingangs sieht man kurze Szenen aus dem täglichen Leben abgebildet und die alltäglichen Aufgaben Roys. Da sie einen Teil der Welt der Lebenden darstellen, sind sie logischer Weise auf der Ostseite des Grabes angebracht, dessen Platzangebot aber sehr durch die Tür und die verminderte Größe des Grabes selber beschränkt ist.

Ostwand


Diese Szenen sind sehr interessant, weil, obwohl sie unvollständig sind, sie die Art und Weise belegen, wie die Dekoration des Grabes angebracht worden ist. Im Gegensatz dazu, wie man annehmen könnte, wurde erst die flächige Grundierung angebracht und Farben für die Bilder aufgetragen und dann erst die Umrisslinien und Konturen in rot oder schwarz nachgezogen, ohne dass an diesen Stellen vorher das obligatorische Quadratnetz, das so qd.wt,, aufgebracht worden wäre. Lediglich die Unterteilung wurde vorbereitet, hier sogar in vier Register und die Flächen für die Schrift. Diesen Befund hat man häufig in Privatgräbern bei Szenen, die nicht die Nebenszenen des Grabes darstellen, sondern Kleindarstellungen mit Dienern und Bediensteten sind.
Die Reihenfolge des Farbauftrags ist: grün- roter Ocker- die Grundierung- grau und braun. Man stelle sich nur einmal das Talent des Malers vor, seine Malereien so exakt aufzubringen und zu errechnen.
Im oberen Register sehen wir das verstorbene Ehepaar unter einem Sonnenschutz sitzen, wie sie den Bericht eines Arbeiters entgegennehmen, der anscheinend dafür verantwortlich ist, Bericht zu erstatten. Er präsentiert Roy die Produkte seiner eigenen Ländereien.
Im Register darunter sind zwei Männern beim Pflügen. Über ihnen ist ein Baum dargestellt, in dem ihr Wasservorrat zum Kühlhalten aufgehängt worden ist und vielleicht auch ihr Essen. Der eine Mann pflügt in die eine Richtung, der andere in die entgegengesetzte. Sie beginnen gerade, aneinander vorbeizugehen. Es fällt auf, dass der Maler die Binnenzeichnung nur des vorderen Ochsen ausgeführt hat, die der beiden Männer und des hinteren Ochsen jedoch nicht mehr. Hinter dem linken Mann verstreut ein nackter kleiner Junge Saatgut.
Im unteren Register (Blick 18), treibt ein Mann Ochsen über das Feld. Hinterher ihm geht eine Frau zum Säen (?). Weiter hinter ruht sich ein zweiter Mann im Schatten aus und scheint gerade seine Vorräte im Baum zu benutzen.
Im untersten Register hört der Grabinhaber, stark vergrößert um seinen Status anzuzeigen, einen kleinen Arbeiter zu, der ihm Auskunft über die Ernte erteilt (Blick 55).

DIE DECKE

Decke



Die Decke ist komplett dekoriert als Segeltuchbespannung über dem Dach eines Hauses, auf dem die Familie den kühlenden Abendwind genießen kann. Das Deckenmuster ist durch ein gelbes Band in zwei Teile unterteilt. Das Band misst 20-22 cm und ist die Grundlage für eine Hieroglypheninschrift, die u.a. neben einer Anbetung an Ra auch den Titel und Namen des Verstorbenen angibt. Die Inschrift verläuft vom Inneren des Grabes zur Tür. Der Erhaltungszustand des Deckengemäldes ist bis auf wenige Stellen erstaunlich gut. Die Hieroglyphen im Band sind blau ausgeführt. Das Band wird scharf durch seine Bandumrisse in blau, rot und weiß abgesetzt (Blick 31).
Das Grundmotiv ist geometrisch und besteht aus gelben und weißen Quadraten, die durch je eine kleine Blume ausgefüllt werden, die entweder schwarz oder rot gezeichnet wird.
Durch die Unebenheit der Decke des Grabes bedingt, scheint die aufgemalte Dachbespannung in Bewegung zu sein, was m. E. vom Maler beabsichtigt worden ist. Wir finden es ähnlich in vielen anderen Privatgräbern, wie etwa im Grab des Sennefer TT 99.

ZUSAMMENFASSUNG


Dieses kleine Grab gibt uns eine generelle Vorstellung vom Stil und Status der religiösen Gedanken am Ende der 18. Dynastie für einen durchschnittlichen Noblen wie Roy.
Sein Schicksal in der Ewigkeit wird durch die Inschriften und Bilder herbeibeschworen. Roy war dafür gut ausgestattet und hatte gut vorgesorgt.
Die Stele, die er in den Hof seines Grabes hatte setzen lassen, appellierte an die Vorbeigehenden und Verwandten, seinen Namen nicht in Vergessenheit verfallen zu lassen. Die Vorbeigehenden sollten seinen Namen aussprechen und die Opferformel für sein ewiges Bestehen in der Unterwelt rezitieren.
Und jeder von denen, die ihn gekannt hatten, fanden hierin das Zeichen auf das sie warteten: So lange wie sie den Glauben an Osiris hatten, so wie Ra am Sonnenlauf teilzunehmen, würde Ägypten existieren und die Sonne, die alles Leben geschaffen hatte, würde weiter aufgehen.
Möge das Schicksal Roys so ausfallen, wie er sich es vorgestellt hat. Sein Name jedenfalls, wird auch heute noch immer ausgesprochen ....


Text von Thierry Benderitter
Übersetzung Überarbeitung und Ergänzung von Brigitte Goede
Photographien von Danielle und Jack Kihn und Thierry Benderitter
© Copyright www.osirisnet.net 2003


Bibliographie

-BARGUET Paul: Le Livre des Morts des anciens Égyptiens, Cerf, 1967.
-BAUD Marcelle, DRIOTON Étienne: Tombes Thébaines. Nécropole de Dra Abou-Naga:   Le Tombeau de Roy, MIFAO 57 (remerciements à Renaud de Spens)
-GRAINDORGE Catherine : Les oignons de Sokar, Revue d’Égyptologie 43, 1992.
-PORTER Bertha, MOSS Rosalind: Topographical bibliography of Ancient Egypt hieroglyphic texts, reliefs and paintings. I The Theban Necropolis. Part one: Private tombs, Griffith Institute1994.